Gesundheit: Was ist das eigentlich?

Wir müssen gesund leben. Wir müssen uns gesund ernähren, viel Sport treiben und uns an die Empfehlungen von vermeintlichen Experten halten. Dann werden wir alt, bleiben schön und vital und schließlich glücklich. Dieses Credo legen wir uns in einer Zeit auf, in der Diäten und Schönheits-OPs, Dauerstress und Burn-Out beinahe zum Alltag gehören. Zurecht stellt sich da die Frage: Was ist Gesundheit eigentlich?

Was uns in der Werbung und in Social Media, von Ärzten und selbsternannten Experten suggeriert wird, scheint ein Phänomen unserer Zeit zu sein. Wir sollen uns viel bewegen, Sport treiben und auf gesunde Ernährung achten. Eigentlich eine gute Sache, denn: Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der Vereinbarkeit von Dingen hauptsächlich daraus besteht, dass man in mehr als nur einer Sache 100 Prozent gibt. Das geht zu Lasten des Körpers und der Psyche. Umso wichtiger ist in diesen Zeiten das Thema Gesundheit. Früher wurden damit Fitness, Bewegung und gesunde Ernährung assoziiert.

Doch was ist Gesundheit überhaupt?

Heute liegt der Fall etwas anders, andere Begriffe gewinnen deutlich an Wichtigkeit. Frédéric Letzner, Speaker und Autor für Gesundheit und Ernährungspsychologie sagt mir im Interview: “Heutzutage sind es vier andere Begriffe, und zwar Geduld, Genuss, Gelassenheit und Genügsamkeit.” Doch wie soll man mit Genuss und Gelassenheit beispielsweise abnehmen?

Das komplette Interview kannst Du hier anhören:

Vor allem, wenn uns an so vielen Stellen Werbeanzeigen versprechen, dass wir in nur 21 Tagen 20 Kilo abnehmen können? Letzner glaubt, dass der Wunsch danach, schlank zu sein, eigentlich gar nichts mit Gesundheit zu tun hat: “Wenn es eine Wunderpille gäbe, dann wäre es den meisten wahrscheinlich egal, ob diese nun gesund ist oder nicht.”

Ein lebenslanger Prozess

Bei unserer Gesundheit geht es ebenso wie bei unserem Ernährungsverhalten um Gewohnheiten. Es geht um Emotionen und viele weitere Dinge, die sich auf der psychologischen Ebene abspielen. Gerade deshalb seien Geduld, Genuss, Gelassenheit und Genügsamkeit so große und wichtige Faktoren: Weil es auch um den Umgang mit sich selbst gehe, so Letzner: “Dieses Gefühl, genug zu sein, das Selbstwertgefühl, spielt da mit rein.” Denn habe ich eine gesunde Haltung zu mir selbst, verhalte ich mich auch automatisch gesünder.

Unsere Haltung zu uns selbst stellt also einen grundlegenden Pfeiler unserer Gesundheit dar. Das alleinige Wissen um Gesundheitsthemen und Ernährung macht noch keinen gesunden Menschen aus. Wie lässt es sich sonst erklären, dass wir mehr über das Thema Ernährung wissen als jemals zuvor und trotzdem immer mehr zunehmen? Wie kommt es, dass wir uns so intensiv wie nie mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen und dennoch so sehr an uns selbst und unserem Körper zweifeln? Auf diese und viele andere unglaublich spannende Fragen hat Frédéric Letzner im Gespräch mit mir faszinierende wie einleuchtende Antworten parat.